Wochenbett – endlich Zeit, die Garage aufzuräumen

Habe ich schon alles erlebt und noch ganz andere Settings,

 z.b. mehrere angereiste Verwandte, die unterstützen, dann aber bekocht und bespaßt werden wollten 

oder

drei Tage nach der Geburt geschminkt und gestylt das Geschwisterkind aus der Kita abholen müssen – weil andere das ja auch hinkriegen

oder

der Partner geht nach einer Woche wieder arbeiten und die Frau ist ganz alleine.

Ich leide immer sehr mit meinen Frauen, die im Wochenbett nicht die wirkliche Wertschätzung, Ruhe und Unterstützung bekommen.

  1. Denkfehler – Fokus

 Oft liegt der Fokus auf der Geburt, dem großen Moment. Klar, davor haben wir auch den meisten Respekt. In der Zeit danach – im Wochenbett –  sind wir aber wieder Frau unserer Sinne und können da selber entscheiden, was uns guttut? Wir haben im Vorschwangerschaftsalltag ja auch alles gewuppt – und Frauen sind doch bekannt für Multitasking. Meetings, soziale Events, Urlaub planen, Einkaufen, Sport, die Weihnachtsgeschenke etc.  – manchmal ganz schön stressig. Wir haben aber immer alles gepackt und deswegen werden wir das Wochenbett genauso exzellent machen. Außerdem schaffen das ja wohl alle Mütter.

Typische Szene bei einem Wochenbettbesuch:

1. Tag

„Ich fühle mich super, habe nur eine Maschine Wäsche aufgehängt und bin ganz kurz einkaufen gegangen, Nachmittags kam die Nachbarin, nur kurz, zum Gucken und ich musste die Omas mit Bilder und die Freunde via Insta über unser neues Glück auf dem Laufenden halten.”

2. Tag

Nachts dann ein weinendes Kind, morgens eine verzweifelte Mama, die sich Sorgen macht und zusätzlich denkt, sie sei keine gute Mutter. Die Milch wird weniger, das Baby weint …Mama wird noch unsicherer usw. Ein Negativkreislauf beginnt, der nicht selten die Flitterwochen mit Baby zu einer extrem anstrengenden und herausfordernden Expedition werden lassen.

  1. Warum die Rechnung nicht aufgeht

Was wir vergessen haben? Unseren Körper

Hey, der hat eine Höchstleistung vollbracht. Neun Monate ein völlig neues Lebewesen entwickelt, zusätzlich zu seinen normalen Aufgaben (die ja nun auch nicht ohne sind, kleine Auswahl: Blutkörperchen herstellen, Immunabwehr bereitstellen, gleichzeitig Haare und Haut in Schuss halten, das Herz soll regelmäßig schlagen, um nur einige zu nennen) … dann ein Riesen-Schlusssprint –  die Geburt.

Und selbst wenn die rund und ruhig läuft, ist sie doch anstrengend.

Also spätestens jetzt wäre ja Zeit zur Erholung und Regeneration. Genau dazu dient das Wochenbett.

Was dein Körper jetzt alles leisten muss:

1. Milchbildung oder Milchhemmung

2. Gebärmutterrückbildung 

3. Geburtsverletzungen heilen 

4. Wasser ausschwemmen

5. Bänder langsam wieder in die richtige Position bringen 

6. Verdauung normalisieren – da ist jetzt auf einmal wieder viel Platz

7. Stoffwechsel von Doppelt auf Einfach zurückstellen 

9. die Geburt realisieren und verarbeiten

und das Allerwichtigste:

10. einen neuen Menschen in dein Herz lassen – warst du bei deinem allerersten Date schon schockverliebt oder hat sich eure Liebe langsam entwickelt? Da brauchen wir alle unterschiedlich viel Zeit.

Das ist viel und harte Arbeit. Du kannst deinen Körper unterstützen, indem du viel schläfst, gut isst und dich umsorgen und feiern lässt.

Was du jetzt unbedingt nicht tun brauchst:

  • Aufräumen
  • Kliniktasche auspacken
  •  Wäsche machen
  •  nur einmal durchsaugen
  • Termine zum Babybesuch planen (Schreib einmal allen, dass du dich bald meldest oder dass du dich meldest, wenn deine Hebamme das Okay gibt 😀)
  • Einkaufen
  • Kochen
  • Geschwisterkinder aus der Kita abholen (dein Baby ist auch in drei Wochen noch süß und kann stolz präsentiert werden)

Was du unbedingt brauchst:

  • Schlaf
  • deine Lieblingsessen, frisch und mit Liebe an dein Bett gebracht
  • Zeit um dich in deine neue Rolle als Mutter einzufinden 
  • eine gute Freundin, die mit dir lacht und weint, nachts das Telefon griffbereit hat und nicht eingeschnappt ist, wenn du dich drei Tage nicht meldest 
  • eine Haushaltshilfe, wenn du weißt, du kannst nicht gut über Wäscheberge hinweg steigen 
  • eine Hebamme, der du vertraust und die täglich kommt, deine Fragen beantwortet und dich durch diese Zeit navigiert
  • Jemanden, der dir die Füße und den verspannten Nacken massiert 
  • Jemand, der dir immer wieder sagt, was du für eine großartige Leistung vollbracht hast. Du hast ein Kind auf die Welt gebracht – So stark und so mutig!

Dinge, die passieren können, wenn im Wochenbett zu viel los ist:

  • Milchstau
  • Stillschwierigkeiten
  • Gebärmutter bildet sich nicht gut zurück 
  • Wochenflussstau 
  • Wochenbettdepression
  • lang anhaltende Erschöpfung
  • verlangsamte Bindungsphase
  • Probleme in der Partnerschaft

Fazit

Wochenbett ist eine wichtige und wertvolle Zeit für dich, für deinen Körper und für dein Baby. Eine einmalige Zeit, die so nie wieder kommt.

Bereitet diese Zeit gut vor. Informiere dich, was bei dir, in deinem Körper in dieser Zeit passiert. Schätze dich selbst ein. Kannst du getrost Wäscheberge ignorieren? Wenn nicht, lieber schon vorher Hilfe organisieren und Dinge delegieren.

Ich bereite meine Frauen schon in der Schwangerschaft gut auf die Wochenbettzeit vor. Und da mir dieses Thema wirklich sehr, sehr wichtig ist, habe ich für alle, die keine Hebamme finden konnten oder die sich wirklich richtig gut auf diese schöne Zeit vorbereiten wollen, einen Onlinekurs gedreht. Findet ihr hier. Auch ein hilfreiches Geschenk schon vor der Geburt, falls jemand fragt, was du dir wünschst. 

Nimm dir Zeit, genieße diese Zeit und hole dir so viel Unterstützung wie du bekommen kannst.

Glaubenssätze, die du jetzt verändern darfst

Ich schaffe das alleine

Ganz bestimmt, brauchst du aber gar nicht.

Andere um Hilfe zu bitten, ist ein Zeichen von Schwäche

Falsch!  Es ist ein Zeichen von Vertrauen und Selbstreflexion. Erinnere dich daran, wann du zuletzt um Hilfe gebeten wurdest. Du hast bestimmt gern gegeben und warst stolz, gefragt worden zu sein. 

Andere sind nach der Geburt gleich wieder fit und schaffen alle Alltagsaufgaben

Hier schon mal anfangen, dich nicht zu vergleichen. Du bist einzigartig, genau wie deine Geburt und dein Familienleben. So, wie du es machst, ist es genau richtig. Und übrigens NEIN – aus Erfahrung verrate ich dir, bis auf wenige Ausnahmen, braucht es eine ganze Zeit bis wir einen „normalen“ Alltag wieder hinkriegen. Und wer will diese allererste, zauberhafte Zeit überhaupt schnell eintauschen gegen einen schnöden Alltag? 

Ich bin ja nicht krank und brauche deswegen nicht ins Bett

Nö – stimmt. Bist du nicht. Aber erinnerst du dich noch an deine Teenager-Zeiten – wo du den ganzen Tag im Bett bleiben konntest, lesen, essen, telefonieren?

Du darfst im Bett bleiben – hier kannst du am allerbesten dein Kind lesen lernen, deinem Körper schnell ein bisschen Schlaf gönnen, wenn dir die Augen schwer werden, Tagebuch schreiben, um die schönen Momente festzuhalten, das Stillen üben …und und und. 

Mein Wunsch für Dich

Ich wünsche mir für dich eine Wochenbettzeit, in der dein Körper regenerieren darf, in der du langsam und in deinem Tempo dein Kind und deine neue Rolle als Mutter kennenlernen darfst. Und ich wünsche mir, dass du auf die allererste Zeit mit deinem Baby voller Liebe und stolz und mit einem Glücksgefühl zurückgucken kannst.

Alles Liebe und immer an deiner Seite,

Klaudia

 

 

Hej, ich bin Klaudia,

 

Hebamme, Heilpraktikerin, Kinderkrankenschwester und Mutter von vier Kindern. Ich begleite dich, wertungsfrei und ehrlich, bei deiner individuellen Entscheidung in der Kinderfrage.

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